Clickertraining

Motivation ist die Basis eines erfolgreichen Trainings

„Mein Hund hat heute einfach keine Lust“ – diesen Satz habe ich schon des Öfteren gehört, wenn der Hund sich während einer Trainingseinheit nicht für den Hundehalter und seine Signale interessiert.

Motivation bedeutet Handlungsbereitschaft und ist untrennbar mit Lernen verbunden.

Motivation wird durch verschiedene Faktoren, wie z. B. Hunger, Durst, Kälte, Gesundheitszustand, Alter, momentanes Erregungsniveau oder Ängste beeinflusst.

Auch Lernerfahrungen spielen eine große Rolle für die Motivation des Hundes, in einer bestimmten Situation eine bestimmte Handlung auszuführen. Hier kann der Mensch am wirkungsvollsten einwirken und die Motivation des Hundes durch positive Verstärkung steigern.

Positive Verstärkung führt beim Hund immer zu einem angenehmen Gefühl. Dadurch wird die Bereitschaft, ein bestimmtes Verhalten zu wiederholen, erhöht.

Ich bringe den Hund z. B. durch das Signal „Sitz“ zum Hinsetzen und belohne ihn dann mit einem für ihn positiven Verstärker, z. B. ein Leckerchen. Dadurch wird seine Lust gesteigert, die Übung zu wiederholen, und dadurch das Verhalten „Popo auf den Boden“ nach Aufforderung öfter zu zeigen.

Was der Hund als angenehm empfindet, sollte er selber „bestimmen“, d. h. die Belohnung wird dem Hund angepasst. Nur weil der Mensch z. B. gerne Ball spielt, heißt es noch nicht, dass der Hund ein solches Spiel als Belohnung empfindet.

Positive Verstärker können Futter, Spiel oder Zuwendung in Form von Lob und streicheln sein. Letzlich soll der Hund das bekommen, was er gerne haben möchte.

Bei Futterbelohnungen ist es wichtig, Leckerchen zu wählen, die der Hund auch wirklich mag.  Statt dem Hund für gute Leistungen dieselben Trockenfutterbrocken anzubieten, die er morgens und abends im Futternapf findet, sind gekochte Fleischstücke, Wurst, Käse oder die Leberwursttube motivationssteigernde Alternativen. Sie würden mir doch sicher auch lieber beim Umzug helfen, wenn ich anschliessend etwas Leckeres für uns koche, anstatt Sie mit einem trockenen Brötchen zu „belohnen“.

Selbstverständlich können Sie bei der Futterbelohnung variieren. Für ein Signal, welches ihr Hund schon gut beherrscht, muss die Futterbelohnung nicht so besonders sein, wie für ein Signal, welches er neu lernt oder welches ihm schwer fällt.

Auch spielen kann eine gute Motivationsmöglichkeit sein. Manche Hunde interessieren sich zwar für Leckerchen, finden es aber viel toller, für eine gut ausgeführte Übung, mit gemeinsamem Spiel belohnt zu werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass  das Spiel als Belohnung auch zum Signal passt. Wenn der Hund z. B. das Rückrufsignal befolgt, ist ein gemeinsames Rennspiel mit dem Halter eine passende Belohnung. Bei dem Signal „Platz“ soll der Hund lernen, ruhig liegen zu bleiben. Hier würde ein ausgelassenes Spiel als Motivationshilfe eher kontraproduktiv sein, da der Hund immer wieder in eine aufgeregte Erwartungshaltung gebracht wird.

Auch können Sie als Motivationshilfen Dinge einsetzen, die Ihr Hund grade lieber machen möchte, als ein Signal auszuführen. Lässt sich der Hund z. B. aus dem Spiel mit Artgenossen abrufen, ist es für ihn die schönste Belohnung, wieder ins Spiel entlassen zu werden. Oder der Hund läuft während einer Übung zur Leinenführigkeit an einer besonders interessanten Duftmarke vorbei. Hat er die Aufgabe erfolgreich gemeistert, darf er dort ausgiebig schnüffeln.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass der Hund nichts allein dem Menschen zuliebe macht. So ist es von der Natur aus eingerichtet. Lernen muss für den Hund eine Verhaltensanpassung sein, die ihm in irgendeiner Weise Vorteile bringt. Er hat keinen Grund, nur „für uns“ zu arbeiten.

Von großer Bedeutung für die Motivation ist auch die Aufgabenstellung für den Hund. Nur wenn die einzelnen Trainingsschritte so klein gewählt sind, dass der Hund einer Aufgabe gewachsen ist, und Erfolg haben kann, wird er Freude an der Arbeit haben. Ist eine Aufgabe dagegen so gewählt, dass die Chance, zu scheitern, für den Hund groß ist, besteht die Gefahr, dass er sie sich nicht zutraut, und frustriert aufgibt. Das kann ihm das ganze Training verleiden und auch der Person gegenüber, die ihm diese Aufgabe gestellt hat, wird er evtl. skeptisch werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Hinblick auf die Motivation des Hundes sind die Rahmenbedingungen. Meine persönliche Motivation sinkt z. B. genau dann auf den Nullpunkt, wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes „nasse Füße“ bekomme. Würden mir dann eine gut lösbare Aufgabe und eine attraktive Belohnung in Aussicht gestellt, wäre ich wenig bis gar nicht motiviert, daran zu arbeiten. Meinem Bernhardiner T.J. konnte es nie kalt genug sein. Je niedriger die Temperaturen waren, desto mehr Spaß hatte er an allem. Bei Hitze war jedoch nichts mit ihm anzufangen. Manche Hunde mögen überhaupt keinen Regen und sobald die ersten Tropfen vom Himmel fallen, ist kein Training mehr möglich, oder muss nach drinnen verlegt werden. Achten Sie auf die Bedürfnisse ihres Hundes und passen Sie die Rahmenbedingungen entsprechend an.

Eine stimmige Belohnung, kleine Trainingsschritte, zu bewältigende Aufgaben mit Aussicht auf Erfolg, ausreichende Hilfestellung sowie passende Rahmenbedingungen sind notwendige Voraussetzungen, um den Hund zu guter Arbeit zu motivieren.

Zwei Arten von Motivation werden unterschieden, die intrinsische und die extrinsische Motivation. Die intrisische Motivation kommt von innen, eine Handlung erfolgt, weil sie eben Spaß macht. Der eine Hund buddelt z. B. gerne nach Mäusen, der andere trägt gerne Gegenstände im Maul. Die extrinsische Motivation kommt von außen. Der Hund hat nicht unbedingt eine Vorliebe für ein bestimmtes Verhalten, führt es aber trotzdem aus, weil er dafür positiv verstärkt wird. Die extrinsische Motivation wird im Training eingesetzt.

Durch den häufigen Einsatz von positiven Verstärkern im Training und der guten Stimmung des Hundehalters, welche durch Zufriedenheit mit den Lernschritten des Hundes entsteht, gewöhnt sich der Hund an eine angenehme Trainingsatmosphäre. Durch die positiven Erfahrungen im Training nimmt der Hund gezeigtes Verhalten als nützlich wahr und wird es zunehmend freiwillig zeigen, weil es Freude macht. Die Lust am Training nimmt zu und es führt zu einer intrinsischen Motivation.

Fazit ist: Kein Hund wacht morgens auf und hat einfach keine Lust zum Training. Einige Faktoren, die sich auf die Motivation auswirken, können wir nicht beeinflussen, aber wir können viele wichtige Dinge tun, die die Lust des Hundes am Training steigern.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg bei der gemeinsamen Arbeit mit ihrem Hund!

 

 

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