Hallo liebe Hundefreunde und vierbeinige Kumpels!

Mein Name ist Thalis, ich werde diesen Monat neun Jahre alt, komme aus Griechenland und lebe seit Juni 2006 bei Petra.

Hundeführerschein

Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, die Selbständigkeit meines Frauchens von Beginn an mit einer Art Tagebuch zu begleiten, komme aber irgendwie erst heute endlich dazu, das erste Mal etwas zu schreiben.

Ihr wisst ja, wie das ist, zwischen schlafen, fressen, spazieren gehen, im Garten dösen und vielen anderen wichtigen Dingen findet Hund schwer Zeit, mal einige Zeilen zu verfassen.

Nun ist das Wetter schon seit einigen Tagen zum eigentlich gar nicht vor die Tür gehen, geschweige denn im Garten zu liegen. Also mache ich es mir jetzt drinnen gemütlich und schreibe.

Also als erstes muss ich sagen, dass ich super stolz auf mein Frauchen bin. Als ich zum ersten Mal mitbekommen habe, dass sie sich als Hundetrainerin selbständig machen möchte, hatte ich ein wenig Bedenken. Schliesslich war sie vorher längere Zeit arbeitsunfähig, es ging ihr über mehrere Monate wirklich nicht gut. Sie hatte mit den Auswirkungen von jahrelangem Mobbing zu kämpfen und musste erstmal wieder richtig auf die Beine kommen, ihr Selbstwertgefühl wiedererlangen und positiv in die Zukunft schauen. Das hat sie geschafft und ihren Traum verwirklichen können.

Ich denke, dass auch ich ganz viel zu ihrer Genesung beigetragen habe, und auch wenn ich nicht immer alles verstehe, was sie sagt, so kommen die Signale der Dankbarkeit, die sie mir immer wieder sendet, bei mir an. Außerdem leben wir ja schon lange zusammen und haben unsere Kommunikation in dieser Zeit sehr verfeinern können.

Ein wenig Angst hatte ich davor, dass Petra nun ihre Trainerqualitäten an mir ausprobieren wollte, und ich, als älterer Herr, Dinge lernen sollte, die mich überhaupt nicht interessieren. Dazu muss ich erklären, dass mein Frauchen in den ersten Jahren, in denen wir zusammengelebt haben, mehrere Versuche unternommen hat, mich für diverse Auslastungsmöglichkeiten zu begeistern. Erst als ich mich im zweiten Clickerkurs irgendwann auf den Rücken gelegt und signalisiert habe, dass es absolut nicht mein Fall ist, hat sie verstanden. Heute weiß ich, dass es ihr schlechtes Gewissen war, welches sie zu all diesen Aktionen bewogen hat. Sie dachte, sie müsste mir etwas in dieser Art bieten. Ich bin aber total zufrieden, wenn wir lange Spaziergänge machen, ich hier und da schnüffeln kann und auch mal nach Mäusen buddeln darf. Ansonsten ruhe ich gerne in mir, bin mir selbst genug und geniesse das Leben und gutes Essen.

Es gibt schon ein paar Dinge, die ich, seit Petra Trainerin ist, noch zusätzlich gelernt habe, aber die hat sie mir irgendwie nebenbei beigebracht, und ich hatte und habe wirklich Spaß daran. Gibt ja auch immer Leckerchen!

Zum Beispiel setze ich mich nicht mehr unwiderruflich auf meinen Popo, wenn Petra in eine andere Richtung gehen möchte, als ich. Wenn sie sagt „Weiter“ gefällt es mir nicht immer, aber ich laufe weiter. Und den Dreck aus dem Garten schüttel ich nicht mehr genau in dem Moment ab, in dem ich das Wohnzimmer betrete, sondern vorher, wenn Petra sagt „Schüttel“.

Ansonsten trifft es unsere Tagespflegehündin Felice, die montags und mittwochs hier ist. Eine Malinoi Hündin, die auch immer gerne lernen möchte, ich würde sagen, total heiß auf neue Lernerfahrungen ist. Was mir besonders gut gefällt ist, dass Felice, nachdem sie anfangs irgendwie immer unter Strom stand, gelernt hat, sich zu entspannen. Sonst hätte ich wahrscheinlich auch irgendwann ein Veto eingelegt und diese verrückte Nudel aus unserem Haushalt verbannt.

Nur wenn es um die Gegenkonditionierung und Desensibilisierung von Hunden geht, die Leinenagression gegenüber anderen Hunden zeigen, bin ich in den ersten Trainingseinheiten immer dabei. Ich muss aber auch nicht mehr machen, als in entsprechender Entfernung hin und her zu laufen oder mal ruhig zu sitzen, während der andere Hund sich bewegt. Klappt bisher immer sehr gut und die Leckerchen für mich sind auch nicht zu verachten.

Außerdem weiß Petra ganz genau, wann meine Geduld ein Ende hat und ich nicht mehr stur auf und ab gehen möchte. Würde sie niemals so direkt verraten, aber das muss ja auch nicht sein. Ich bin schließlich auch kein ausgebildeter Trainingshund.

Momentan mache ich mir ein wenig Sorgen, weil sich bei Petra unglaublich Druck bezüglich der Erlaubnispflicht nach §11 Absatz 8 Buchstabe f aufbaut. Sie hat eine so fundierte Ausbildung gemacht und mit bestandener Prüfung abgeschlossen. Das würde, meiner Meinung nach, absolut ausreichen, um ihr die Erlaubnis zu erteilen. Unser Veterinäramt sieht das leider anders. Nur die Zertifizierung vor der Tierärztekammer Niedersachsen reicht als Sachkundenachweis. Letzen Freitag hat sie die theoretische Prüfung bestanden. Aber nach der Prüfung ist vor der Prüfung, sprich Ende Januar hat sie ihren Termin für die praktische Prüfung und das Fachgespräch. Gestern hat sie sich noch mehr Bücher zum Lernen bestellt. Soll sie machen,  hauptsache sie dreht nicht am Rad.

Erstmal wollen wir doch ein besinnliches Weihnachtsfest und ein paar Tage später meinen Geburtstag feiern.

So, ihr Lieben, jetzt bin ich doch ein wenig müde und werde mich in eine von meinen vielen super bequemen Liege- und Schlafmöglichkeiten zurückziehen.

Ich nehme mir vor, Euch bald wieder zu schreiben, und wünsche Euch allen einen gemütlichen und besinnlichen 3. Advent.

Knuddelige Grüße

Euer Thalis

 

 

 

 

 

 

 

 

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