Laufen an lockerer Leine…

Die Leinenführigkeit gehört zu den Basissignalen der Hundeerziehung, ist für einen entspannten Alltag mit Hund unverzichtbar, und liegt mir sehr am Herzen.

Das Trainingsziel der Leinenführigkeit ist, dass der Hund an lockerer Leine läuft, und selbständig darauf achtet, dass die Leine maximal soweit spannt, wie der Hundehalter sie noch mit zwei Fingern halten kann. Der Hund achtet auf den Hundehalter und orientiert sich an dessen Laufrichtung. Egal in welche Richtung der Hundehalter geht und in welcher Art und Intensität irgendwelche Ablenkungen auftauchen.

Da umlernen grundsätzlich schwerer ist, als neu lernen, sollte bereits im Welpen- und Junghundealter großer Wert auf die Leinenführigkeit gelegt werden.

Leider ist aber genau das oft nicht der Fall. Bereits viele Welpen machen die Lernerfahrung, dass sie an der Leine die Richtung bestimmen, und mit Ziehen ans Ziel kommen. Die Hundehalter denken oft: „Der Hund möchte doch so gerne da oder dort hin; er möchte den anderen Hund doch nur kurz begrüßen; er möchte doch nur schnell mal ein bißchen schnüffeln; er hat halt etwas interessantes entdeckt…..“ Das mag alles stimmen und der Hund soll diese Dinge auch dürfen. Doch sie sollten die Belohnung dafür sein, dass der Hund nicht ziehend in der Leine hängt, sondern an lockerer Leine läuft. Die geeignete gedankliche Einstellung für den Hundehalter ist: „Ich entscheide, wie schnell und in welche Richtung wir gehen.“

Macht der Hund immer wieder die Erfahrung, dass er beim Spaziergang an der Leine den Weg und die Geschwindigkeit bestimmt, wird es für den Hundehalter früher oder später unangenehm und anstrengend. Ich habe schon viele Hundehalter kennengelernt, die in diesem Stadium dachten, dass sich das Problem schon irgendwann von alleine wieder erledigen wird. Das ist nicht so!!! Hunde lernen durch Verknüpfung und wenn ein Hund immer wieder das „an der Leine ziehen“ mit Erfolg verknüft, wird er niemals von jetzt auf gleich plötzlich von sich aus auf die Idee kommen, dass es schöner wäre, an lockerer Leine zu laufen. Viele Hund ziehen so arg an der Leine, dass ihnen oftmals im wahrsten Sinne des Wortes fast die Luft wegbleibt, sie husten und würgen müssen. Das ist ihnen egal, hauptsache sie kommen ans Ziel. So ist es auch im Hinblick auf die Gesundheit des Hundes unsere Pflicht als Hundehalter, dem Hund Leinenführigkeit beizubringen. Mal ganz abgesehen von den gesundheitlichen Gefahren für den Menschen, der sich bei einem plötzlichen Leinenruck vielleicht nicht mehr auf den Beinen halten kann.

Manche Hundehalter haben für dieses Problem die ultimative Lösung gefunden: Der Hund läuft ohne Leine! Besonders sinnvoll bei Hunden, bei denen der Rückruf nur funktioniert, wenn der Hund Lust dazu hat. Wenn ich an den älteren Herren mit der freundlichen Labradordame („die will nur spielen“) denke, den wir beim Alltagstraining im Wald getroffen haben, und der weder eine Leine dabei hatte, noch seinen Hund abrufen konnte und dazu auch noch keinerlei Verständnis dafür hatte, dass ich ihn darum gebeten hatte, seinen Hund festzuhalten („ist doch ein freier Waldweg hier“), während ihm vier Hunde an der Leine entgegenkommen, muss ich immer noch mit dem Kopf schütteln. Es gehört zum verantwortungsbewußten, vorrausschauenden Verhalten eines Hundehalters und respektvollem Umgang miteinander selbstverständlich dazu, den eigenen unangeleinten Hund „unaufgefordert“ zu sich zu rufen, und an die Leine zu nehmen, wenn man einem angeleinten Hund begegnet. Wenn ein Hund an der Leine ist, hat das IMMER einen Grund.

Aber auch für Hunde, die problemlos abrufbar sind, ist es keine Lösung. Alle mir bekannten Hundehalter, die das Training der Leinenführigkeit schleifen gelassen oder sogar damit aufgehört haben, als der Hund immer mehr Freilauf geniessen durfte, sind diesbezüglich wieder am Anfang angelangt. Sie hatten sogar noch mehr Schwierigkeiten als vorher, wenn der Hund dann mal an der Leine laufen musste.

Es gibt immer Situationen, in denen der Hund an der Leine laufen musss, z. B.:

  • Begegnung mit anderen Hunden an der Leine
  • In der Stadt
  • An der Straße
  • Begegnung mit Fußgängern, Radfahrern, Joggern…
  • verletzungs- oder krankheitsbedingt

In knapp vier Wochen, am 1. April, beginnt in Niedersachsen die Brut- und Setzzeit. Während dieser Zeit sind Hunde im Wald und in der freien Landschaft an der Leine zu führen. Ist doch schade, wenn der tägliche Spaziergang in jedem Jahr für mindestens dreineinhalb Monate zu Spießrutenlauf wird.

Außerdem sollte man nie vergessen, dass sich die eigene Lebenssituation von heute auf morgen ändern kann. Wenn sich plötzlich eine andere Person um den Hund kümmern, der Hundehalter vom Land in die Stadt ziehen oder gar den Hund abgeben muss, wird es sowohl für Hund und Mensch schwierig, erst zu diesem Zeitpunkt mit dem Training der Leinenführigkeit zu beginnen.

Anfang April wird bei mir ein neuer, bereits erwachsener Hund einziehen, mit dem ich mit Sicherheit von Anfang an die Leinenführigkeit trainieren werde.

Gerne unterstütze und begleite ich Sie und ihren Hund beim Training der Leinenführigkeit

Selbstverständlich ist dies auch im Einzeltraining möglich.

 

 

Thalis – Gedanken zum Jahreswechsel

Hallo Ihr Lieben,

ich bin es mal wieder, der Thalis.

Viel zu lange habe ich nichts mehr geschrieben, aber manchmal geht es halt nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Nun geht das Jahr 2015 zuende und wir beschäftigen uns mit Gedanken an das alte und Wünschen an das neue Jahr.

Das Jahr 2015 war leider nicht so, wie Petra und ich es uns gewünscht hatten.

Es ging ganz gut los. Das Trainingsgelände war sicher und es kamen immer mehr Hundehalter, die mit ihren Hunden bei Petra trainieren wollten.

Dann machte Petras Rücken nicht mehr mit. Schmerzen hatte sie schon lange mal hin und wieder. Doch plötzlich waren es nicht nur noch etwas Rückenschmerzen, sondern durch den Po ins Bein schossen immer wieder starke Schmerzen. Ach, hat Petra gedacht, das wird schon wieder. Was macht eine selbständige Hundetrainerin? Weitermachen und den Schmerz ignorieren. Aber lange ging das leider nicht gut. Die Schmerzen wurden immer stärker und Ende September ging gar nichts mehr. Kein Stehen, kein Liegen, kein Sitzen und schon gar kein Autofahren. Gsd hat Petra eine liebe Mama, die zurstelle war, und sich in dieser Zeit um mich kümmern konnte. Petra hatte mehrere Arzttermine und hat letzendlich über einige Wochen Spritzen bekommen, die die Nervenschmerzen im Bein vorerst betäubt, und die Schmerzen gelindert haben. So konnte Petra langsam wieder ihren Job machen und sich physiotherapeutisch begleiten lassen. Im Moment geht es ihr so lala. Wir wissen beide, dass es keine endgültige Lösung war, aber zurzeit muss es halt nur manchmal eine Schmerztablette sein, und ansonsten klappt es ganz gut.

Ja, und ich bin leider auch sehr krank. Vor einigen Wochen haben liebe Menschen beim Streicheln festgestellt, dass ich am Hinterkopf eine Beule habe. Petra ist mit mir natürlich sofort zur Tierärztin gefahren. Die war auch ganz geschockt und hat uns zum CT überwiesen. Dort wurde leider festgestellt, dass ich einen bösartigen Tumor am Kopf habe, der aufgrund seiner Lage (nahe an Muskeln und Nerven) und der Tatsache, dass er 2-3 cm mit Muskelgewebe verwachsen ist, nicht operiert werden kann. Mir macht es eigentlich nichts aus, weil ich ja gar nicht weiß, was mit mir los ist. Aber Petra war total fertig. Grade war sie selber gesundheitlich auf einem guten Weg und hätte all ihre Kräfte für sich gebraucht. Und nun eine solche Diagnose. Natürlich hatte sie sehr große Angst um mich. Wie entwickelt sich der Krebs in meinem Körper? Bekomme ich bald Schmerzen? Leidet meine Lebensqualität? Sie hat geweint, sehr viel geweint. Und dann eine Entscheidung getroffen. Nein, eine Chemotherapie kommt nicht infrage, hat sie entschieden. Aber einfach abwarten wollte sie auch nicht. Homöopathisch begleiten, dafür hat sie sich entschieden. Ihre Tierärztin konnte ihr eine gute Adresse geben. Nun bekomme ich morgens und abends ein entsprechendes Mittel verabreicht. Meine Beule ist tatsächlich kleiner geworden, aber ich habe an anderen Stellen meines Körpers auch diverse Beulen. Also wissen wir nicht, möchten wir auch nicht wissen, ob es sich auch um bösartige Tumore handelt. Ich bin älter geworden, gestern habe ich meinen 10. Geburtstag gefeiert. Oft möchte ich nachts nach draußen und im Garten weiterschlafen. Vor einigen Tagen bin ich, nachdem ich eine Böschung runtergelaufen war, um zu trinken, nicht mehr hochgekommen. Meine Hinterhand hat nicht mehr mitgemacht und es hat mir wehgetan. Gsd haben Petra und Achim (Petras LG) mich stützen und mir hochhelfen können. Nun bekomme ich wieder mal Schmerztabletten. Macht mir ehrlich gesagt nichts aus. Hauptsache ich bin schmerzfrei, kann den ganzen Tag (und auch nachts) in den Garten gehen, wenn ich will, bekomme regelmäßig leckeres Futter, gehe meine Runden (mit Ruhepausen, wenn ich mir mal wieder zuviel zutraue) und bin immer dabei.

Was Petra in diesem Jahr auch sehr zugesetzt hat, ist, dass sie ihr Trainingsgelände verloren hat. Schon lange ist sie auf der Suche nach einem neuen Hundeplatz. Viele Anfragen hat sie gestellt, manchmal bekam sie noch nicht einmal eine Antwort. Doch nun sieht es ganz gut aus. Eine Möglichkeit hat sich aufgetan. Doch es steht noch die Zusage vom Bauamt Nienburg aus. Solange heißt es noch warten, hoffen und Daumen drücken.

Soweit zum Jahr 2015.

Nun möchte ich mich mit den Wünschen für 2016 beschäftigen:

Ich wünsche Petra von Herzen ein neues Trainingsgelände und dadurch die Möglichkeit, weiterhin als Hundetrainerin zu arbeiten, und daran zu wachsen.

Ich wünsche mir für mich, dass ich auf jeden Fall noch elf Jahre alt werde.

Ich wünsche Petra, dass sie ohne OP schmerzfrei wird, und ihren Bandscheibenvorfall hinter sich lassen kann.

Ich wünsche mir, dass die Menschen ihrem Herzen folgen.

Ich wünsche mir, dass wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können.

Ich wünsche Euch und all Euren Lieben einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes neues Jahr!!!

 

Herzliche Grüße

Eurer Thalis

 

 

 

 

Thalis – Gedanken eines Trainerhundes

Hallo Ihr Lieben,

ich bin es mal wieder, der Thalis.

Ja, ich weiß, ich habe mich ziemlich rar gemacht, und leider nicht, wie versprochen, regelmäßig berichtet.

Sorry, aber ich hatte Ende Februar einen, wie Petra immer sagt „Unfall“. Näheres dazu möchte ich für mich behalten, doch die Aktion hat mich gesundheitlich ziemlich zurückgeworfen, und erst jetzt ist es soweit, dass ich körperlich fast wieder der „Alte“ bin. Ich leide schon seit ein paar Jahren unter Arthrose und hatte meinen Gelenken zuviel zugemutet. Leider haben sich meine Probleme etwas verschlechtert und ich kann nicht mehr, wie ich es immer gerne gemacht habe, zum Kuscheln aufs Sofa springen, oder nachts mal aufs Bett hüpfen.

Alt werden ist echt nichts für Feiglinge.

Und dann auch noch diese hohen Temperaturen zurzeit, die machen mich fertig.

Nichts desto trotz möchte ich, wenn auch nachträglich, meinem Frauchen zum ersten Geburtstag ihrer Hundeschule herzlich gratulieren. Am 1. Juni war es soweit.

Petra hat die ersten zwölf Monate ihrer Selbständigkeit wirklich toll gemeistert. Es melden sich immer mehr interessierte Hundehalter bei ihr und neben Welpen- und Junghundekursen findet auch der Rally Obedience Kurs weitere Anhänger. Desweiteren hat Petra regelmäßig Mensch-Hunde-Teams im Einzeltraining, die mit ihr gemeinsam an kleinen und größeren Problemen im Alltag arbeiten. Auch die Spielstunden, unterteilt in kleine, mittelgroße und große Hunde sind gut besucht. Inzwischen kommen die Anfragen auch schon aufgrund von Empfehlungen von Hundehaltern, die Training bei Petra gemacht haben. Ich freue mich total für sie, schließlich ist der Schritt in die Selbständigkeit nicht so einfach.

Was mir natürlich am Besten gefällt, ist, dass wir viel mehr Zeit miteinander verbringen.

Wir sind noch enger zusammen gewachsen und ich bin total stolz auf mein Frauchen.

Ich drücke meine vier Pfoten ganz doll, damit die Hundeschule von Petra auch im zweiten, dritten, vierten..Jahr immer bekannter wird, und viele Mensch-Hunde-Teams den Weg zu ihr finden, um mit Spaß Trainingserfolge zu erreichen sowie die Beziehung zwischen Mensch und Hund zu fördern und zu vertiefen.

 

Herzliche Grüße

Euer Thalis

 

 

 

 

 

Thalis – Gedanken eines Trainerhundes

Hallo Ihr Lieben,

ich bin es, der Thalis.

Ich möchte Euch erzählen, was uns gestern auf unserem Spaziergang passiert ist.

Als der Regen hier endlich mal Pause hatte, haben Petra und ich uns auf den Weg zum Oyler Berg gemacht und sind im Wald gelaufen.

Hinter uns tauchte plötzlich ein Hund auf, ich glaube es war ein Irish Setter. Er hat hier und da geschnüffelt, uns gesehen, ist aber, nachdem ein Pfiff ertönte, zurückgelaufen, und aus unserem Blickfeld verschwunden.

Trotzdem bin ich stehengeblieben und wollte schauen, ob da wohl noch was passiert.

Da war er wieder, der Hund. Nein, bei genauer Betrachtung war es ein anderer Hund, der genauso aussah, wie der erste, den wir gesehen hatten.

Auch er schnüffelte rechts und links, der Pfiff ertönte, aber das scherte ihn wenig. Er hatte uns entdeckt und kam neugierig näher. Ich habe ihn begrüßt und fand ihn ganz nett. Wieder ertönte ein Pfiff. Der Hund schaute nach hinten, machte aber keine Anstalten, zurückzulaufen.

Dann kamen auch endlich die dazugehörenden Menschen um die Ecke, die den ersten Hund dabei hatten. Einer der beiden Menschen war sehr aufgebracht, pfiff und rief „Hierher“ im Wechsel. Den Hund, der sich mit mir beschäftigte, interessierte das wenig bis gar nicht.

So kamen die Menschen näher und der eine von beiden versuchte weiterhin, seinen Hund zurückzurufen.

Erst als wir nur noch ein paar Meter voneinander entfernt waren und der eine Mensch immer aufgebrachter den Gehorsam seines Hundes abforderte, drehte dieser ab, und lief zu seinem Halter.

Als der Hund bei seinem Halter angekommen war, wurde er zuerst am Halsband runtergedrückt, und bekam dann noch einen leichten Schlag von oben auf seinen Kopf.

Petra, die sich normalerweise mit Kommentaren zurückhält, konnte sich nicht verkneifen, dem Menschen zu sagen, dass dies falsch ist.

Der Mensch erwiderte „Der weiß schon, was er falsch gemacht hat.“

Petra sagte ihm noch, dass der Hund es nicht weiß, und ist dann mit mir weitergelaufen.

Vielleicht wäre es noch wichtig gewesen, den Menschen darüber zu informieren, dass er seinem Hund so nichts weiter beibringt, als dass es für ihn negative Folgen hat, zurückzukommen.

Aber Petra hatte den Eindruck, dass es diesen Menschen nicht besonders interessieren würde, und er ja auch nicht nach ihrer Meinung als Hundetrainerin gefragt hat.

So haben wir unseren Spaziergang fortgesetzt.

Leider sind wir dann noch in den Beginn eines Unwetters geraten und bei Gewitter gehen bei Petra die Lichter aus. Sie hatte so arg Angst, dass ich jeden Schnüffelversuch an interessanten Ecken ihr zuliebe links liegen gelassen habe, und im Laufschritt hinter ihr her bin.

Kurz bevor wir am Auto angekommen waren, welches blöderweise am Waldrand geparkt war, gab es einige Male heftigen Donner mit Blitz dazu.

Petra war fix und fertig und kurzzeitig hatte ich leider kein souveränes, sondern panisches Frauchen an der Leine.

Schnell hat sie mich auf meinen Platz im Kofferraum verfrachtet und ist selber über die Rückbank auf den Vordersitz geklettert.

Im sicheren Auto war gsd alles wieder gut.

Langsam funktionierte Petra wieder und wir konnten nachhause fahren.

So konnten die Gedanken wieder zu unserem Erlebnis mit den Menschen und ihren Hunden wandern.

Nichts gegen freilaufende Hunde, ich habe da kein Problem.

Aber bitte immer daran denken, auch der Rückruf muss gelernt sein.

Erst zuhause üben, dann mit immer größeren Ablenkungen.

Bitte nicht einfach Leine los und Hund laufen lassen.

Und schon gar nicht, nicht trainieren, und dann den Hund abstrafen, wenn es nicht klappt.

Das musste ich heute loswerden und ich glaube, dass Petra mir nicht übel nimmt, dass ich sie als Gewitter-Feigling enttarnt habe.

Ich wünsche Euch allen noch einen schönen 4. Adent.

Liebe Grüße

Euer Thalis

 

 

 

 

Gedanken eines Trainerhundes

Hallo liebe Hundefreunde und vierbeinige Kumpels!

Mein Name ist Thalis, ich werde diesen Monat neun Jahre alt, komme aus Griechenland und lebe seit Juni 2006 bei Petra.

Hundeführerschein

Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, die Selbständigkeit meines Frauchens von Beginn an mit einer Art Tagebuch zu begleiten, komme aber irgendwie erst heute endlich dazu, das erste Mal etwas zu schreiben.

Ihr wisst ja, wie das ist, zwischen schlafen, fressen, spazieren gehen, im Garten dösen und vielen anderen wichtigen Dingen findet Hund schwer Zeit, mal einige Zeilen zu verfassen.

Nun ist das Wetter schon seit einigen Tagen zum eigentlich gar nicht vor die Tür gehen, geschweige denn im Garten zu liegen. Also mache ich es mir jetzt drinnen gemütlich und schreibe.

Also als erstes muss ich sagen, dass ich super stolz auf mein Frauchen bin. Als ich zum ersten Mal mitbekommen habe, dass sie sich als Hundetrainerin selbständig machen möchte, hatte ich ein wenig Bedenken. Schliesslich war sie vorher längere Zeit arbeitsunfähig, es ging ihr über mehrere Monate wirklich nicht gut. Sie hatte mit den Auswirkungen von jahrelangem Mobbing zu kämpfen und musste erstmal wieder richtig auf die Beine kommen, ihr Selbstwertgefühl wiedererlangen und positiv in die Zukunft schauen. Das hat sie geschafft und ihren Traum verwirklichen können.

Ich denke, dass auch ich ganz viel zu ihrer Genesung beigetragen habe, und auch wenn ich nicht immer alles verstehe, was sie sagt, so kommen die Signale der Dankbarkeit, die sie mir immer wieder sendet, bei mir an. Außerdem leben wir ja schon lange zusammen und haben unsere Kommunikation in dieser Zeit sehr verfeinern können.

Ein wenig Angst hatte ich davor, dass Petra nun ihre Trainerqualitäten an mir ausprobieren wollte, und ich, als älterer Herr, Dinge lernen sollte, die mich überhaupt nicht interessieren. Dazu muss ich erklären, dass mein Frauchen in den ersten Jahren, in denen wir zusammengelebt haben, mehrere Versuche unternommen hat, mich für diverse Auslastungsmöglichkeiten zu begeistern. Erst als ich mich im zweiten Clickerkurs irgendwann auf den Rücken gelegt und signalisiert habe, dass es absolut nicht mein Fall ist, hat sie verstanden. Heute weiß ich, dass es ihr schlechtes Gewissen war, welches sie zu all diesen Aktionen bewogen hat. Sie dachte, sie müsste mir etwas in dieser Art bieten. Ich bin aber total zufrieden, wenn wir lange Spaziergänge machen, ich hier und da schnüffeln kann und auch mal nach Mäusen buddeln darf. Ansonsten ruhe ich gerne in mir, bin mir selbst genug und geniesse das Leben und gutes Essen.

Es gibt schon ein paar Dinge, die ich, seit Petra Trainerin ist, noch zusätzlich gelernt habe, aber die hat sie mir irgendwie nebenbei beigebracht, und ich hatte und habe wirklich Spaß daran. Gibt ja auch immer Leckerchen!

Zum Beispiel setze ich mich nicht mehr unwiderruflich auf meinen Popo, wenn Petra in eine andere Richtung gehen möchte, als ich. Wenn sie sagt „Weiter“ gefällt es mir nicht immer, aber ich laufe weiter. Und den Dreck aus dem Garten schüttel ich nicht mehr genau in dem Moment ab, in dem ich das Wohnzimmer betrete, sondern vorher, wenn Petra sagt „Schüttel“.

Ansonsten trifft es unsere Tagespflegehündin Felice, die montags und mittwochs hier ist. Eine Malinoi Hündin, die auch immer gerne lernen möchte, ich würde sagen, total heiß auf neue Lernerfahrungen ist. Was mir besonders gut gefällt ist, dass Felice, nachdem sie anfangs irgendwie immer unter Strom stand, gelernt hat, sich zu entspannen. Sonst hätte ich wahrscheinlich auch irgendwann ein Veto eingelegt und diese verrückte Nudel aus unserem Haushalt verbannt.

Nur wenn es um die Gegenkonditionierung und Desensibilisierung von Hunden geht, die Leinenagression gegenüber anderen Hunden zeigen, bin ich in den ersten Trainingseinheiten immer dabei. Ich muss aber auch nicht mehr machen, als in entsprechender Entfernung hin und her zu laufen oder mal ruhig zu sitzen, während der andere Hund sich bewegt. Klappt bisher immer sehr gut und die Leckerchen für mich sind auch nicht zu verachten.

Außerdem weiß Petra ganz genau, wann meine Geduld ein Ende hat und ich nicht mehr stur auf und ab gehen möchte. Würde sie niemals so direkt verraten, aber das muss ja auch nicht sein. Ich bin schließlich auch kein ausgebildeter Trainingshund.

Momentan mache ich mir ein wenig Sorgen, weil sich bei Petra unglaublich Druck bezüglich der Erlaubnispflicht nach §11 Absatz 8 Buchstabe f aufbaut. Sie hat eine so fundierte Ausbildung gemacht und mit bestandener Prüfung abgeschlossen. Das würde, meiner Meinung nach, absolut ausreichen, um ihr die Erlaubnis zu erteilen. Unser Veterinäramt sieht das leider anders. Nur die Zertifizierung vor der Tierärztekammer Niedersachsen reicht als Sachkundenachweis. Letzen Freitag hat sie die theoretische Prüfung bestanden. Aber nach der Prüfung ist vor der Prüfung, sprich Ende Januar hat sie ihren Termin für die praktische Prüfung und das Fachgespräch. Gestern hat sie sich noch mehr Bücher zum Lernen bestellt. Soll sie machen,  hauptsache sie dreht nicht am Rad.

Erstmal wollen wir doch ein besinnliches Weihnachtsfest und ein paar Tage später meinen Geburtstag feiern.

So, ihr Lieben, jetzt bin ich doch ein wenig müde und werde mich in eine von meinen vielen super bequemen Liege- und Schlafmöglichkeiten zurückziehen.

Ich nehme mir vor, Euch bald wieder zu schreiben, und wünsche Euch allen einen gemütlichen und besinnlichen 3. Advent.

Knuddelige Grüße

Euer Thalis